TSV Windheim | Unmöglich aber wahr: Fünf Meistertitel in einer Saison
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Unmöglich aber wahr: Fünf Meistertitel in einer Saison

Unmöglich aber wahr: Fünf Meistertitel in einer Saison

Bericht von Hans Franz – Foto von Horst Marr

Ausgerechnet in der letzten Saison des Tischtenniskreises Kronach, der kürzlich aufgrund einer Verbandsreform aufgelöst wurde, gelingt einem Verein ein Erfolgserlebnis, das es in den vergangenen 71 Jahren noch nie gegeben hat. Der TSV Windheim schafft das Kunststück mit gleich fünf Mannschaften zu Meisterehren zu kommen.

Während die 1. Herrenmannschaft in der starken Oberfrankenliga den Titelgewinn mit sechs Punkten Vorsprung einfuhr, schaffte die 2. Mannschaft in der 3. Bezirksliga Hof/Kronach in letzter Sekunde die Meisterschaft und die „Dritte“ ging in der 3. Kreisliga ungeschlagen durchs Ziel. Neben diesen drei Herrenteams ließen auch die Damen aufhorchen. In einem Kopf-an-Kopf-Rennen hievte sich die „Erste“ in der 3. Bezirksliga Hof/Kronach am letzten Spieltag noch auf den Thron bis nach oben und in der 1. Kreisliga machte die zweite Vertretung mit einer „weißen Weste“ das Rennen. Alle fünf Teams werden die Möglichkeit zum Aufstieg in die nächste höhere Liga wahrnehmen.

Schon seit längerem ist der TSV Windheim im TT-Kreis Kronach zur absoluten Tischtennis-Hochburg aufgestiegen. Dies vor allem auch deshalb, weil er unter anderem mit zwölf Mannschaften (fünf Herren, drei Mädchen und je zwei Damen und Jungen) die meisten Teams und mit 72 Spielern die meisten Akteure stellt. Diese Vormachtstellung hat der TSV spätestens seit dem Jahre 2012 inne, als der bis dahin so erfolgreiche FC Nordhalben seine Herrenmannschaft vor dem möglich gewesenen Aufstieg in die Bayernliga zurückzog.

Von einem Novum in der Geschichte des TSV Windheim spricht die seit dem März 2017 an der Spitze stehende Vorsitzende Heidi Vetterdietz, die selbst aktive TT-Spielerin und fester Bestandteil der ersten Mannschaft ist. „Eigentlich ist es unmöglich, wie die vergangenen Punkteserien abgeschlossen wurden“, meint die TSV-Chefin im Hinblick auf die fünf Titelgewinne. Zwar richtet sich das Hauptaugenmerk auf die 1. Herrenmannschaft, doch dass die Damen I und die Herren II jeweils in der 3. Bezirksliga zu Meisterehren noch kamen, dies sei überhaupt nicht voraussehbar gewesen. Dem Aushängeschild, der Oberfrankenliga-Meister, der künftig in der neuen Verbandsliga Nordost aufschlagen wird, bestätigte die bei LOEWE in Kronach als Personalreferentin tätige Vetterdietz ebenso viel Ehrgeiz und Trainingseifer wie den zwei weiteren Herren-Meisterteams. Sicherlich hat der Verein mit der neu gebauten TSV-Arena vor fünf Jahren hervorragende Rahmenbedingungen geschaffen, aber einen Grund sieht die Vorsitzende auch in dem ausgezeichneten Zusammenhalt aller Spieler und Spielerinnen sowie in dem seit 2001 gewählten TT-Abteilungsleiter Matthias Trebes, „Mit dem „Dia“ haben wir an der Spitze der Sparte einen Topmann stehen, der sich einfach um alles, vor allem auch um den Nachwuchs kümmert“, bestätigt die Vorsitzende dem 42-Jährigen, der zudem Mannschaftsführer und Stammspieler der 1. Herrenmannschaft ist. Der frischgebackene Papa müsse zwar derzeit etwas kürzer treten, doch versteht er es ausgezeichnet zu koordinieren, sodass in allen Bereichen gute Arbeit geleistet werde.

Herren I

Seit dem Aufstieg aus der 2. Bezirksliga in der Saison 2005/2006 gehörte das 1. Herrenteam des TSV Windheim mit einem Jahr Ausnahme der Oberfrankenliga an. Diese Ausnahme war die Serie 2015/16 als nach der Meisterschaft der Aufstieg in die Landesliga geschafft wurde. Doch wegen zwei fehlender Punkte musste der sofortige Abstieg hingenommen werden. Nach dem letztjährigen dritten Tabellenplatz wurde nun mit 32:4 Punkten vor der SpVgg Effeltrich III (26:10) der Titelgewinn zum zweiten Mal eingetütet. Mannschaftsführer Matthias Trebes hierzu. „Wir hofften zwar, beim Kampf um den Aufstieg ein Wörtchen mitreden zu können, doch war die Liga extrem ausgeglichen, so dass man sich wenig Ausrutscher erlauben durfte, um am Ende ganz oben zu stehen.“

„Ich suchte eine neue sportliche Herausforderung. Mit dem TSV Windheim werde ich nicht nur eine Liga höher spielen, sondern ich will mit meinen neuen Mannschaftskameraden die Landesliga anvisieren.“ Dies war die Begründung von Patrick Grosch, warum sich der von der TTG Neustadt-Wildenheid kommende Neuzugang für die Serie 2017/18 dem Team im oberen Frankenwald anschloss. Der gebürtige Meilschnitzer erwies sich auch als die erwartete Verstärkung, wie seine Einzelbilanz von 19:6 Spielen im mittleren Paarkreuz verdeutlicht. Auch seine Doppelbilanz (12:6) mit Matthias Trebes konnte sich sehen lassen, waren damit beide doch immerhin das viertbeste Duo der Liga.

Eine Vorentscheidung um die Meisterschaft fiel in der heimischen TSV-Arena, als der Mitkonkurrent TTV 45 Altenkunstadt vor einer tollen Zuschauerkulisse mit 9:3 nahezu deklassierte wurde. Apropos Zuschauer; hierzu Vorsitzende Vetterdietz: „Es ist schon erstaunlich wie viele Zuschauern zu den Spielen der 1. Herrenmannschaft kamen und diese unterstützen. Erfreulich war dabei, dass auch viele Auswärtige begrüßt werden konnten.“

Zwar verloren die Windheimer in der Vorrunde das Derby gegen Kronach, aber als Tabellenführer revanchierte man sich gleich zum Auftakt der Rückrunde. Nach der Niederlage in Effeltrich mussten die TSVler noch einmal bangen, aber Altenkunstadt unterlag zeitgleich in Arzberg, so dass drei Spieltage vor Saisonende die Meisterschaft immer wahrscheinlicher wurde. Mit einem 9:5-Sieg in Altenkunstadt wurde eine fast perfekte Serie als Meister abgeschlossen.

Spitzenspieler Stefan Schirmer zu diesem tollen Erfolg. „Entscheidend für die Meisterschaft war, dass wir in allen Spielen komplett antreten konnten und alle sechs Stammakteure nahezu über die gesamte Saison konstante Leistungen an den Tag legten.“ Der gebürtige Reichenbacher, der seine Karriere beim Heimatverein (ATSV) begann und in jungen Jahren schon mit den Herren des FC Nordhalben in der Landesliga erfolgreich aufspielte, hebt hervor, dass durch die neue Spielstätte die Möglichkeit besteht, an fast jeden Tag zu trainieren.

Während Stefan Schirmer mit 27:8 Spielen viertbester Akteur im vorderen Paarkreuz der Oberfrankenliga war, reihte sich Fritz Schröppel mit 16:15 an Position acht ein. Herausragend war die „Mitte“ mit Matthias Trebes, der mit 24:5 Punkten den Platz an der Sonne einnimmt, und Patrick Grosch, der mit den bereits erwähnten 19:6-Erfolgen auf Platz drei folgt. Auch im hinteren Paarkreuz belegten die TSVler Top-Ten-Ränge. Armin Raab landete mit einer Bilanz von 16:5 Spielen auf Platz sieben, während Volker Wich Zehnter (13:7) wurde.

Im Doppel harmonierten Raab und Wich mit 9:8 Spielen ebenfalls gut zusammen. Lediglich zwei Niederlagen bei 18 Auftritten mussten Stefan Schirmer und Fritz Schröppel hinnehmen, die damit das zweitbeste Doppel der Liga waren. Die Windheimer Herren sind nun das einzige Team aus dem TT-Altkreis Kronach, das nach der Gebietsreform des Bayerischen Tischtennisverbandes in der kommenden Saison auf Verbandsebene spielt.

Herren II

Beim Blick auf die durchschnittlichen TTR-Werte der 3. Bezirksliga Hof/Kronach befand sich vor der Saison die 2. Herrenmannschaft des TSV im Mittelfeld der Liga wieder, wo man auch die Vorsaison abgeschlossen hatte. Auch der Start mit 3:3-Punkten war nicht vielversprechend. Nach der Vorrunde befanden sich die Windheimer mit einem Punkt Rückstand auf Rothenkirchen und Berg in Lauerstellung. In der Rückrunde wurden lediglich nur noch zwei Punkte abgegeben. In einem an Dramatik nicht zu überbietenden letzten Match beim TSV Stockheim, wo die TSVler mehrfach Matchbälle gegen sich hatten und mit dem Rücken zur Wand standen, wurde trotzdem noch ein 9:7-Sieg eingefahren. So kam es zur nie erwarteten Meisterschaft und den damit verbundenen Aufstieg in die neue Bezirksoberliga Ost. Gerade einmal drei Spiele Vorsprung bei Punktgleichheit gaben den Ausschlag zugunsten der Windheimer gegenüber dem SV Berg. Profitiert haben die TSVler vor allem von ihrer mannschaftlichen Geschlossenheit.

Herren III

In der 3. Kreisliga West ging die 3. Herrenmannschaft an den Start. Nach dem zweiten Platz in der Vorsaison wurde die Meisterschaft erneut angepeilt. Allerdings erwies sich der SV Rothenkirchen II als harter Widersacher. Im Hinspiel lag der TSV mit 5:8 in Rückstand, holte aber noch ein Unentschieden und legte so den Grundstein für den letztlich ungefährdeten Meistertitel mit 35:1 Punkten und das künftige Mitwirken in der höheren, neuen Bezirksklasse B. Vor allem das Mitwirken von Michael Neubauer in der Vorrunde und Matthias Fröba in der Rückrunde, die jeweils nur ein Einzel verloren, war entscheidend in einem Team, das bei 55 Doppeln sage und schreibe 48 Mal als Sieger den Tisch verließ.

Damen I

Die 1. Damenmannschaft spielte in der vorletzten Saison in der 3. Bezirksliga eine eher unbedeutende Rolle (siebter Platz). Nach der Vorrunde der zu Ende gegangenen Serie befanden sie sich mit 12:6-Punkten auf dem vierten Rang und hatten bereits vier Zähler Rückstand auf den Spitzenreiter SC Haßlach. Doch in der Rückrunde wuchsen die Damen über sich hinaus und gaben lediglich noch einen Punkt ab. Dieser war jedoch äußerst spektakulär, da ein 0:7 Rückstand in Kronach noch in ein 7:7 umgemünzt wurde. Bis zum letzten Spieltag mussten die Damen aber bangen, da der nach Minuspunkten führende SV Berg II erst im letzten Spiel

gegen den SV Fischbach unterlag und so die Windheimerinnen, die mit Melanie Neubauer (28:8) die drittbeste Spielerin der Liga stellten, noch den Platz an der Sonne eroberten. Ein Meistertitel, mit dem keiner beim TSV – am wenigsten wohl die Damen selbst – gerechnet hatte.

Damen II

Eine blitzsaubere Saison legte die 2. Damenmannschaft in der 1. Kreisliga hin. Mit 28:0 Punkten wurden sie ungeschlagener Meister vor dem SC Haßlach II. Die sieben eingesetzten Damen wiesen durchwegs positive Bilanzen auf. Hervorzuheben sind die Doppel, von denen nur eine einzige Paarung verloren ging.

Mit den fünf Titelgewinnen krönte der TSV Windheim eine schier unfassbar erfolgreiche Saison. Nun feiern alle Beteiligten zusammen am 30. Mai diese Meisterschaften. Zu dieser Feier wird auch der Steinbacher Bürgermeister Thomas Löffler erwartet. Im Vorfeld dazu befragten wir das Gemeindeoberhaupt zum historischen Jahr beim TSV Windheim: „Die Gemeinde ist sehr stolz auf die Tischtennis-Abteilung des TSV Windheim. Auswärtsspiele in ganz Nordbayern bedeuten künftig einen erheblichen Aufwand für die Männer um Meisterspieler Matthias Trebes. Während der SV Friesen seit Jahren im Fußball das Aushängeschild des Landkreises ist, wird es nach den errungenen fünf Meistertiteln der TSV Windheim  im Tischtennis umso mehr sein. Beachtlich ist seit Jahren die sehr akribische und zielstrebige Arbeit, die beim TSV Windheim geleistet wird. So kommt der Erfolg nicht von ungefähr, sondern ist das Resultat aus einer hervorragenden Jugendarbeit, viel Ehrgeiz und Trainingsfleiß bei den Erwachsenen, sowie besten Rahmenbedingungen in der vor fünf Jahren eingeweihten TSV-Arena. Abteilungsleiter Matthias Trebes versteht es bestens die Sportler bei Laune zu halten und immer wieder neue Leistungsanreize zu setzen. Die fünf errungen Meistertitel in dieser Saison sind wohl deutschlandweit einmalig und verdienen Respekt und Anerkennung.“ hf / Hans Franz